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Wieso vergleichen wir uns mit anderen?

Melanie scrollt in den sozialen Medien und ihr Blick bleibt an einem Video hängen. Zu sehen ist eine Frau mit perfekter Haut, schön gestylten Haaren und einer Statur, die Melanie selber gerne hätte. Wieso kann sie nicht so aussehen wie diese Frau, fragt sich Melanie. Sie hat das Gefühl, dass jeder besser als sie ist.

Vielleicht kommt euch diese Situation bekannt vor. Ich denke sogar, jeder Mensch hat sich schon einmal mit jemand anderem verglichen. Egal ob bewusst oder unbewusst. Ein/e Mitschüler/in hat eine bessere Note, eine Person mit dem gleichen Hobby ist besser in diesem oder eine Person in den Sozialen Medien hat ein „besseres“ Aussehen. Wieso vergleichen wir uns eigentlich so viel mit anderen?

Wieso vergleichen wir uns überhaupt?

Oft vergleichen wir uns mit anderen, um zu erkennen, welche Fähigkeiten wir gut beherrschen und wo wir in unserem Umfeld stehen. Das passiert häufig völlig unbewusst, kann aber auch absichtlich passieren. Manchmal vergleichen wir uns aber auch, um uns besser zu fühlen, da es anderen schlechter als uns geht oder weil wir besser in etwas sind.

Gibt es positive Vergleiche?

Vergleiche können tatsächlich auch eine positive Wirkung haben. Wenn man sich bewusst mit anderen in einem gemäßigten Rahmen vergleicht, gibt es zahlreiche Vorteile. Zum Beispiel kann ein Vergleich seiner eigener Lernstrategien mit der von anderen einen zu Bestleistungen bringen. Manchmal kann ein Vergleich einen auch anspornen oder motivieren, etwas Neues auszuprobieren. In der eigenen Klasse könnte eine Person sein, die eine bestimmte Sportart als Hobby hat und einen dazu motiviert, mit dieser zu beginnen. Wenn man sich allerdings zu stark oder häufig mit anderen vergleicht, kann es zu einigen Problemen kommen.

Ab wann ist ein Vergleich schlecht für uns?

Vergleiche haben auch schlechte Eigenschaften, die uns nicht weiterhelfen, sondern nur schlecht fühlen lassen. Wenn eine Person zum Beispiel ein neues Hobby startet und sich mit einer anderen Person vergleicht, die dieses schon langer ausübt, wird diese unzufrieden mit der eigenen Leistung. Aufpassen muss man vor allem, wenn man anfängt seinen Körper mit anderen zu vergleichen, statt zu sehen, was an einem selbst schön ist, denn dann fängt man schnell an zu denken, man wäre schlechter als alle anderen. Außerdem wird man schnell verbittert, wenn man seine Fehler nur mit den Erfolgen anderer vergleicht. Es kann also positiv und negativ sein sich zu vergleichen. Dabei gibt es aber auch noch verschiedene Arten von Vergleichen.

Auf welche Arten kann man sich vergleichen?

Generell kann man von zwei Arten sprechen, die Aufwärts- und Abwärtsvergleiche. Wenn man sich aufwärts vergleicht, tut man dies meist um sich zu verbessern oder zu motivieren. Dabei vergleicht man sich mit einer Person, die in einem bestimmten Gebiet besser ist und motiviert sich selber, um dieser Person nachzueifern. Abwärtsvergleiche beschreiben im Prinzip das genaue Gegenteil. Bei diesen vergleicht man sich mit Menschen, die schlechter in etwas sind als man selber. Meist tut man dies, um sich nach einer Niederlage zu trösten. Natürlich können beide Vergleiche gute und schlechte Auswirkungen haben und welche Auswirkungen es gibt, hängt zum großen Teil von der Intensität und Häufigkeit der Vergleiche ab.

Hat Social Media einen Einfluss darauf, wie wir uns vergleichen?

Auf Social Media werden oft nur Erfolge und positiv verzerrte sowie bearbeitete Bilder oder Bilder mit Filtern gezeigt. Man könnte zum Beispiel ein Bild von einer Frau, die ein Picknick auf einer Wiese macht, sehen und dies dann ihr nachmachen wollen. Das eigene Picknick ist am Ende wahrscheinlich aber nicht annähernd so schön wie das Bild auf Social Media. Dies liegt daran, dass Licht, Essen und Umgebung meist stark bearbeitet werden. Dadurch fühlt man sich dann schnell schlecht und wird unzufrieden, da man sich fragt, wieso sein eigenes Leben nicht so abläuft. So kann man unzufrieden oder neidisch werden, obwohl die Bilder oder Videos auf Social Media meist nicht der Wahrheit entsprechen. Außerdem ist es durch Social Media möglich, sich einfacher und schneller zu vergleichen. Dies kann ein Vorteil sein, wenn man zum Beispiel eine neue Lerntechnik sucht, aber kann auch zu unrealistischen Vergleichen führen. Um dies zu verhindern, ist es notwendig, seine Vergleiche zu reflektieren und sich klarzumachen, dass vieles auf Social Media nicht echt ist.

Fazit

Es gibt ein Zitat von den Psychologen Ladd Wheeler und Jerry Suls. Dieses lautet „Wir wollen nicht nur wissen, wie charmant wir sind. Wir wollen wissen, dass wir in der Tat sehr charmant sind.“ Dieser Satz soll aussagen, dass wir uns durch Vergleiche manchmal besser fühlen. Wenn wir besser als andere sind, stärkt es unser Selbstbewusstsein und geht es anderen schlechter als uns, kann es tröstend sein. Trotzdem können Vergleiche gefährlich sein. Wenn wir uns das Beispiel von Melanie nun wieder ansehen, fällt auf, dass sie durch den Vergleich mit dem Video weder ihr Selbstbewusstsein gestärkt hat noch sich getröstet hat. Auch motiviert wurde sie nicht. Denn wie kann sie sich motiviert fühlen, wenn sie sich mit etwas auf Social Media vergleicht, das so wahrscheinlich noch nicht einmal existiert?

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